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RFID im Modehandel zahlt sich nach 24 Monaten aus

 

RFID im Einzelhandel ist nichts Neues. Doch im Modehandel, in dem Fehlmengen die Gewinnmarge erheblich reduzieren können, bietet die Funkfrequenzidentifikation einen Vorteil unvergleichlichen Werts und das nicht zur Bestimmung der richtigen Bestandsmenge. In den USA erreicht Bloomingdales eindrucksvolle Bestandspräzisionsraten von 95%, in Europa werden diese noch vom exklusiven Modeanbieter Gerry Weber mit Werten von 99% übertroffen. Dies liegt einerseits an der vollständigen RFID-Integration entlang der gesamten Lieferkette und andererseits an den Inventuren, die zweimal wöchentlich in allen Läden durchgeführt werden. Der Effizienzzuwachs ist enorm. Tatsächlich wird sich Gerry Webers RFID-Implementierung in nur 24 Monaten ausbezahlen und anschließend für höhere Gewinne sorgen.   

 

Das in Deutschland ansässige Unternehmen war der erste Modehändler, der eine vollständige RFID-Integration für die gesamte Lieferkette umgesetzt hat. Dies ist ein Schritt, der laut Christian von Grone, IT-Leiter bei Gerry Weber, in unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens Kosteneinsparungen garantiert. „Jedes Pflegeetikett enthält nun einen RFID-Tag und einen elektronischen Produktcode (EPC) und kostet damit gerade mal €0,08 mehr als ein gewöhnliches Pflegetikett“, erklärt er. „Für diesen kleinen Preis eliminieren wir den Bestandsverlust beim Transport, senken die Fehlmengen auf 1 Prozent und können darüber hinaus Ladendiebstähle reduzieren, indem wir Geld für Sicherheitsmaßnahmen sparen”. Die RFID-Kennung auf den Pflegeetiketten wurde so entworfen, dass sie nach dem Waschen schnell abgebaut und unlesbar wird. So können die datenschutzrechtlichen Bedenken der Kunden zerstreut werden.

 

RFID jetzt für alle Einzelhändler umsetzbar

Art Smith, Präsident und Geschäftsführer von GS1 Canada, einem internationalen Normungsunternehmen für Lieferketten und Berater für die branchenübergreifende Item-Level RFID-Initiative in den USA glaubt, dass die Handelsbranche vor einem wichtigen Technologiewandel steht. Seiner Ansicht nach ist der EPCglobal-Standard zur einheitlichen Nutzung von RFID der Schlüssel zu einer höheren Prozesseffektivität: „Je mehr Einzelhändler ihre Bestände in Echtzeit verwalten, desto schneller ermöglicht eine standardisierte RFID-Technologie eine höhere Effizienz für Hersteller, Lieferanten, Händler und Käufer.”

 

Jorma Lalla, Geschäftsführer des finnischen RFID-Lesegeräteherstellers Nordic ID, das Unternehmen, das Gerry Weber mit Lesegeräten beliefert, beobachtet ein zunehmendes Schwinden des Widerstands gegenüber der RIFD-Technologie. „Als wir vor über fünfzehn Jahren mit der Herstellung von RFID-Lesegeräten begannen, waren unsere Kunden vorwiegend Großanbieter, die RFID-Tags und Lesegeräte bestellten, um Bestandsinventuren schneller durchführen zu können. Andere Anwendungsbereiche waren noch nicht entwickelt worden und die meisten anderen Zielgruppen wollten uns nicht einmal zuhören. Jetzt, nachdem sich RFID bewährt hat, erhalten wir Anrufe von Herstellern, Logistikunternehmen, Dienstleistern... um nur einige zu nennen“.

 

RFID hilft Händlern, ihre Bestandspräzision zu steigern und Kosten in 4 Bereichen zu reduzieren

Von Grone hat vier Bereiche ermittelt, in denen RFID Kosten reduzieren kann und die die Effektivität dieser Technologie zeigen:

 

1.    Geringerer Bestandsverlust, höhere Transparenz

Alle Posten, die an andere Händler über den Großhandel verkauft werden—diese machen 80% des Geschäfts von Gerry Weber aus—erhalten nach der Verpackung eine RFID-Kennung. Diese sorgt für eine 100% genaue Abstimmung des Verpackungsinhalts mit dem Lieferschein und reduziert Diskrepanzen bei den Kundenbestellungen auf Null, da sie eine präzise Erfassung des Inhalts ermöglicht. Der Prozess der Warenumverteilung auf die einzelnen Läden wird außerdem erheblich beschleunigt. Auf der anderen Seite der Lieferkette führt die vollständige Erfassung der Lieferinformationen aufgrund der hohen Transparenz und Abstimmung zu einem deutlich geringeren Bestandsverlust.

 

2.    Schnellere Warenaufnahme

Wenn Waren im Laden eintreffen, nehmen die meisten Händler eine manuelle Kontrolle vor und scannen die einzelnen Barcodes in ihr Bestandsverwaltungssystem. Dies kann Stunden oder sogar Tage dauern. Mit RFID können Sie jede Packung mit einem Lesegerät scannen, auspacken und inventarisieren. Rücksendungen werden damit ebenfalls immens beschleunigt.

 

1.    Höherer Umsatz

Eine bessere Datenqualität—die wiederum geringere datenassoziierte Kosten verursacht—führt zu einer präzisen Bestandsmenge. Zusätzlich zur täglichen umsatzbasierten Bestandsauffüllung führen die Mitarbeiter bei Gerry Weber in jedem Geschäft zweimal wöchentlich Inventarkontrollen durch, füllen fehlende Größen oder Farben auf und bestellen bei Bedarf eine größere Menge. Diese Detailgenauigkeit wäre ohne RFID nicht möglich.

 

2.    Geringere Sicherheitskosten

Mit dem erfolgreichen Abschluss seines Pilotprogramms hat Gerry Weber bewiesen, dass RFID im Vergleich zu seinem herkömmlichen auf Funkfrequenz basierten elektronischen Artikelüberwachungssystem (EAS) weniger kostet und effizienter ist.

 

Ein EAS-System besteht aus Sicherheitsschleusen an Ladeneingängen und „Hartetiketten“, die an den Artikeln erst befestigt und anschließend an der Kasse entfernt werden. Hartetiketten können nur acht bis zwölf Mal verwendet werden, ein vollständiger Zyklus kostet Euro 0,35 bzw. ungefähr USD $0,48. Das Befestigen, Entfernen und Recycling von Hartetiketten ist ein Prozess, auf den Gerry Weber sehr gern verzichtet. Außerdem freut sich der Händler darauf, die hässlichen Schleusen durch unauffällige RFID-Antennen zu ersetzen, die sich in Decken oder Wänden integrieren lassen. Allein durch die Beseitigung der EAS-Systeme hat sich die gesamte RFID-Integration mit Einzelhandels-ERP, Großhandelslogistik und Kassensystemen amortisiert.

 

Größerer Fokus auf die Kunden

Kosteneinsparungen sind sowohl ein willkommenes als auch erwartetes Ergebnis einer integrierten RFID-Implementierung, doch sie stellten nie das Hauptziel für Gerry Weber dar. Die wichtigsten Ziele für die Implementierung von RFID in den gesamten Unternehmensabläufen waren laut Von Grone Geschwindigkeit und Präzision. Seiner Meinung nach führen eine erhöhte Geschwindigkeit und Transparenz—auch bekannt als Effizienz—stets zu Kosteneinsparungen. RFID verschafft darüber hinaus einen weiteren Mehrwert: Die Angestellten können sich wieder mehr auf die Kunden konzentrieren. „Wenn Sie den Aufwand für Inventurarbeiten im Laden reduzieren, haben Sie mehr Zeit für die Betreuung des Kunden“, erklärt er.    

 

Zukunftspläne

Dieses Jahr beabsichtigt von Grone, mit einem Pilotprojekt das Kundenerlebnis zu steigern und eine größere Präzision beim Einkaufen zu bieten. Mit der „intelligenten Umkleidekabine“ können Käufer sehen, ob eine andere Größe oder Farbe des Kleidungsstücks, das sie gerade anprobieren, verfügbar ist, und sich dieses direkt in die Umkleidekabine bringen lassen. Displays in den Umkleidekabinen könnten zudem Kombinationsartikel oder Accessoires vorschlagen.

 

 „Der nächste Schritt besteht darin”, sagt von Grone, „die Daten aus der Umkleidekabine zu Designzwecken zu nutzen. Zum Beispiel können wir anhand der Artikel, die häufig anprobiert, aber nicht gekauft werden, erkennen, ob diese Artikel ein neues Design benötigen, damit sie sich besser verkaufen lassen”.

 

Von Grone plant außerdem, RFID entlang der gesamten Logistikkette—bis zur Lieferung der Rohstoffe—auf die Produktionsstätten, die sich in der Regel in Asien befinden, auszudehnen. „Durch die Nachverfolgbarkeit der Materialien während der gesamten Produktion können wir effizienter arbeiten, unsere Herstellerkosten senken und vor allem unsere Markteintrittszeit verkürzen”.